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Back to the roots

Nach meiner Pensionierung wollte ich nicht mehr die gleichen oder ähnlichen Aufgaben übernehmen wie bisher. Daher nahm ich zwar alle Anfragen mal entgegen, wollte jedoch meinen Entscheid erst später fällen: dies besonders, um den Alltag möglichst ausgeglichen zu gestalten sowie um den Kontakt mit anderen Leuten zu pflegen.

Als ich im Dezember vergangenen Jahres angefragt wurde, ob ich als Leiterin oder Helferin in einer Kochgruppe der reformierten Kirche mithelfen möchte, sagte ich genauso spontan Nein zur Leitung wie Ja zur Mithilfe im Küchenteam. Anfangs Februar war es dann soweit und ich hatte meinen ersten Einsatz, welche – mit Ausnahme der Schulferien – in regelmässigen Abständen auf einen Mittwoch gelegt sind. An diesem Tag findet der sogenannte Treffpunkt statt, mit einem breiten Programm für sozial schwächer Gestellte und Fremdsprachige, aber auch für andere Interessierte.

Der Vormittag beginnt mit dem Tischlein-deck-dich-Angebot, wo mit entsprechendem Ausweis vergünstigt eingekauft werden kann. Gleichzeitig ist die Kaffeestube offen. In der Küche wird ab 9.30 h das Menu besprochen und die Aufgaben werden im Team verteilt. Letztendlich gilt es, den Salat um 12 h und das reichhaltige Menu um 12.15 h bereit zu halten.

Da heisst es für die Küchenmannschaft, voll ans Werk zu gehen: Salat und Gemüse waschen und schneiden; Zwiebeln, Knoblauch, Paprikaschoten und was sonst zum Würzen benötigt wird vorbereiten; die Chefs am Herd bei der Zubereitung des Fleisches (in der Regel Rind- oder Pouletfleisch) und der Beilagen (Teigwaren, Spätzli oder Reisgerichte) unterstützen; Wasserkaraffen, Besteck, Teller, Gläser, Salatschüsseln für die 10 – 12 grossen Tische auf den Servierboys bereitmachen; und zwischendurch immer wieder die Abwaschmaschine laufen lassen mit dem Geschirr von der inzwischen beendeten Kaffeestube und von all den Kochutensilien, welche nicht mehr gebraucht werden.

Es herrscht Hochbetrieb in der Küche, ohne dass jedoch eine stressige Atomosphäre aufkommt. Was dann jeweils auf den Tisch kommt, ist nicht nur Verpflegung sondern ein echter Genuss. So ist es nicht verwunderlich, dass zurzeit jeweils zwischen 60 und 80 Personen zum Mittagessen kommen. Mein absolutes Highlight bei den bisherigen Einsätzen war die Zubereitung eines persischen Menüs mit zwei Persern als Chefköchen. Meine anfängliche Skepsis über bisher mir unbekannte Gemüse und Gewürze wandelte sich zur Begeisterung über das persische Gericht. Und so lerne ich jedes Mal auch etwas dazu.

Die Riesenpfannen und die gusseisernen Bratpfannen passen jedoch in keine Abwaschmaschine. Sie müssen von Hand gereinigt und gespült werden – das ist vom Gewicht her Schwerstarbeit! Genau diese Arbeiten, der Hochbetrieb in der Küche, das Hand-in-Hand arbeiten mit dem eigenen und mit anderen Teams und die spürbare Zufriedenheit der Gäste: das erinnert mich an meine Jugendzeit, als ich im Hotelbetrieb meiner Eltern überall dort mithalf, wo ich gerade gebraucht wurde. Dies hatte mir damals immer sehr viel Freude bereitet, auch wenn ich meiner eigenen Familie und insbesondere meinen Kindern auf keinen Fall das Leben und das Aufwachsen in der Hotelleriebranche mit einem Minimum an Zeit für das Familienleben zugemutet hätte.

Mit der neuen Tätigkeit als freiwillige Helferin in einer Grossküche können die guten Erinnerungen wieder aufleben. Ich bin ganz unverhofft wieder bei meinen Wurzeln angelangt. Es macht echt Spass und ich habe die Zusage noch nie bereut!